Brainstorming
Auf einen Blick
Was ist Brainstorming?
Brainstorming basiert auf dem Prinzip, die Denkprozesse der Beteiligten zu befreien: Bewertung, Kritik oder sofortige Analyse der Beiträge werden während der Ideenfindung bewusst vermieden. Diese Offenheit fördert eine hohe Quantität an Vorschlägen und verringert die Hemmschwelle für unkonventionelles Denken. Die dabei gewonnenen Ideen dienen später als Grundlage für Auswahl, Priorisierung und Weiterentwicklung geeigneter Lösungsansätze.
Methodisch gliedert sich Brainstorming häufig in mehrere Phasen:
- Finden und sammeln: Hier sammeln die Teilnehmenden Ideen, basierend auf ihren festgelegten Regeln und Vorgaben für das Brainstorming. Der Moderator visualisiert gleichzeitig die Ideen auf Kärtchen, Klebezettel, Flip-Chart oder eine PC-Anwendung. Zusätzlich sollten auch die Teilnehmenden Karten und Stifte haben, damit Sie ihre Ideen notieren können. Diese Phase ist beendet, wenn niemandem mehr eine neue Idee einfällt. Dies ist der Fall, wenn nach einer längeren Pause keine Ideen mehr geäußert werden.
- Sortieren: Hier werden die aus Phase 1 willkürlich entstandenen Ideen in einzelne Kategorien zusammengefasst.
- Bewerten: Nach Phase 2 steht den Teilnehmenden eine übersichtliche Sammlung von Ideen zur Verfügung. Diese ist die Basis für die Bewertung der Ideen. Was in der Phase 1 Kritik an den Ideen verboten, ist sie jetzt explizit erlaubt. Aussortiert werden die Ideen, die unsinnig sind oder sich nicht realisieren lassen. Diese Phase kann auch in Kleingruppen durchgeführt werden.
- Umsetzung planen: Nach der Phase 3 ist eine Sammlung von aussichtsreichen Ideen entstanden. Diese müssen jetzt weiterverfolgt werden. In Phase 4 werden dazu die notwendigen Schritte festgelegt. Hierzu kann ein Maßnahmenplan erstellt werden
Nach dem Brainstorming sollten die aussichtsreichsten Ideen, mithilfe der Methode des Mind-Mapping, weiter detailliert werden.
Regeln und Vorgaben der Ideenfindung
Damit Brainstorming kreativ und effektiv sein kann, werden in der Ideenfindungsphase klaren Grundsätze befolgt. Im Vordergrund steht das Ziel, einen möglichst breiten Ideenraum zu öffnen, bevor eine Bewertung erfolgt:
- Ideenvielfalt vor Bewertung: In der frühen Phase zählt die Menge der Vorschläge, nicht deren Qualität. Freies Assoziieren soll bewusst gefördert werden.
- Bewertungsfreiheit: Kommentare, Kritik oder Einordnungen einzelner Beiträge werden zunächst zurückgestellt, um Denkblockaden zu vermeiden.
- Offenheit für ungewöhnliche Ansätze: Auch unkonventionelle oder zunächst unrealistisch erscheinende Ideen sind ausdrücklich erwünscht, da sie neue Denkrichtungen anstoßen können.
- Kollektive Inspiration: Die Teilnehmenden bauen aufeinander auf; Ideen dürfen weitergedacht, kombiniert oder abgewandelt werden.
Diese Leitlinien schaffen einen geschützten Raum, in dem auch unausgereifte oder scheinbar abwegige Gedanken geäußert werden können, die später wertvolle Impulse liefern.
Erfolgsfaktoren für wirksames Brainstorming
Ob ein Brainstorming produktiv verläuft, hängt stark von Rahmenbedingungen und Vorbereitung ab:
- Vielfältige Zusammensetzung der Gruppe: Unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Denkweisen erhöhen die Chance auf innovative Lösungsansätze.
- Klare und verständliche Fragestellung: Eine präzise formulierte Ausgangsfrage hilft den Teilnehmenden, ihre Ideen zielgerichtet zu entwickeln.
- Konsequente Einhaltung der Regeln: Besonders das Verbot von Kritik während der Ideenphase ist entscheidend, um Diskussionen und Bewertungen zu vermeiden.
- Sichtbare Dokumentation: Werden Ideen für alle sichtbar festgehalten, entsteht ein gemeinsames „Gedächtnis“, das weitere Assoziationen erleichtert.
- Unterstützende Atmosphäre: Eine offene, wertschätzende und druckfreie Umgebung fördert die Beteiligung aller Teilnehmenden.
- Geduldige Moderation: Auch Phasen geringerer Dynamik sollten zugelassen werden, da häufig erst verzögert weitere Ideen entstehen.
Typische Risiken
Trotz seiner Einfachheit kann Brainstorming an Wirkung verlieren, wenn bestimmte Punkte nicht beachtet werden:
- Unklare Methodenerwartungen: Wird vorausgesetzt, dass allen Beteiligten Vorgehen und Regeln bekannt sind, können Missverständnisse entstehen. Eine kurze Einführung ist daher sinnvoll.
- Benachteiligung zurückhaltender Teilnehmender: Introvertierte Personen benötigen oft mehr Zeit, um Ideen zu formulieren. Direkter Aufforderungsdruck kann hier hemmend wirken.
- Zeitlicher Druck: Stark begrenzte Zeitfenster können Kreativität einschränken, da komplexere oder erklärungsbedürftige Ideen untergehen.
- Scheinbeteiligung: Wird Brainstorming eingesetzt, obwohl Entscheidungen bereits feststehen, sinkt die Motivation für zukünftige kreative Beiträge.
- Fehlende Weiterverarbeitung: Werden Ideen zwar gesammelt, aber nicht weiterverfolgt, kann dies zu Frustration und geringerer Beteiligung in späteren Sitzungen führen.
Varianten des Brainstormings
Neben dem klassischen Brainstorming haben sich zahlreiche Varianten etabliert, die an unterschiedliche Gruppengrößen, Arbeitsweisen und Rahmenbedingungen angepasst sind:
- Einzel-Brainstorming:
Die Ideengenerierung erfolgt allein, nach denselben Grundprinzipien wie im Gruppenformat. Diese Variante eignet sich besonders, um schnell mehrere Lösungsansätze zu entwickeln. - Philips-66-Methode (Buzz-Session):
Große Gruppen werden in Kleinteams von bis zu sechs Personen aufgeteilt, die zeitlich begrenzt Ideen sammeln und anschließend ihre Ergebnisse im Plenum vorstellen. - Brainwriting und 6-3-5-Methode:
Ideen werden schriftlich festgehalten und systematisch weitergereicht oder ergänzt. Diese Formen fördern eine gleichmäßige Beteiligung und eignen sich besonders für zurückhaltende Teilnehmende. - ABC-Brainstorming:
Ideen werden anhand vorgegebener Anfangsbuchstaben des Alphabets gesammelt. Diese Struktur hilft, neue Denkrichtungen zu erschließen, insbesondere bei der Suche nach Begriffen oder Assoziationen. - Brainwalking:
Mehrere Fragestellungen werden parallel bearbeitet, indem Teilnehmende zwischen verschiedenen Stationen wechseln und dort Ideen ergänzen. Die Methode ist gut für größere Gruppen geeignet. - Brainswarming:
Ideen werden sowohl zielorientiert (Top-down) als auch ressourcenbasiert (Bottom-up) entwickelt und visuell zusammengeführt, um konkrete Lösungswege abzuleiten. - Elektronisches Brainstorming:
Digitale Tools ermöglichen schriftbasierte Ideensammlungen in virtuellen oder hybriden Teams, beispielsweise über Online-Whiteboards.



